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| Einsatzbericht vom 11.08.2010 |
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Katastrophenalarm im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Der Schrecken bekommt vom Deutschen Wetterdienst stets schöne Namen: „Viola“ hieß das Tief, das an der Grenze zu Polen an diesem Samstag
unwetterartige Regenfälle nach Sachsen brachte.
Experten bezeichnen diese Wettersituation auch als „5b-Tief“. Sie war auch im August 2002 der Grund für das Jahrhunderthochwasser.
Fast auf den Tag genau, aber acht Jahre später traf die warme Luft vom Mittelmeer, vollgesogen mit Wasserdampf, auf ihrem Weg nach
Norden auf eine Kaltfront. An der Luftmassengrenze bildeten sich Schauer und Gewitter. In den Gebirgen regnet sich das Tief ab und
das Wasser suchte sich seinen Weg ins Tal. Besonders betroffen waren davon im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Flüsse
Polenz, Sebnitz und vor allem die Kirnitzsch. Der Pegel dieses Elbezuflusses stieg innerhalb von 12 Stunden von 70 cm auf über 3 m.
Der Durchlass verzehnfachte sich fast. Aber auch kleinere Bäche wuchsen innerhalb von Stunden rasch an und sorgten für Ver-wüstungen
und vollgelaufene Keller.
Am 7. August erhielt der Fachberater des THW Pirna die Alarmierung aufgrund eines Erdrutsches mit vermissten Personen auf der
Bielatalstraße in Königstein. Nach Ankunft in der Leitstelle wurde Gesamtalarm für den Ortsverband Pirna ausgelöst und der Einsatzauftrag
geändert. Im Kinderdorf Schneckenmühle in Liebstadt sollten die Bungalows eines Ferienlagers vor Überschwemmung mit einem Sandsackverbau
geschützt werden. Nach Abholung der Sandsäcke im Sandsacklager Pirna wurde die Einsatzstelle bis 18:30 Uhr abgearbeitet.
Im Anschluss bekamen die Einsatzkräfte von der Technischen Einsatzleitung neue Aufgaben zugewiesen. Die 1. Bergungsgruppe beräumte
umgestürzte Bäume. Die 2. Bergungsgruppe beleuchtete gemeinsam mit der Feuerwehr den provisorisch eingerichteten Hubschrauberlandeplatz
auf dem Sportplatz Rathmannsdorf und wurde in der Nacht durch Einheiten aus dem Ortsverband Dresden abgelöst.
Am frühen Abend starteten zwei Mehrzweckarbeitsboote unserer Fachgruppe Wassergefahren samt Zugfahrzeuge und sechs Helfern in
Richtung Tschechien. Gemeinsam mit Kameraden aus den Ortsverbänden Dippoldiswalde, Riesa und Radebeul sollten sie erstmals im Rahmen
des THW-Anrainerstaatenkonzept in einem Nachbarland, speziell der Region Liberec und Frýdland, zum Einsatz kommen. Eine entsprechende
Anforderung war im gemeinsamen Melde- und Lagezentrum des Bundesinnenministeriums am Nachmittag eingegangen.
Zwischenzeitlich wurde die Unterkunft des Ortsverbandes als Bereitstellungsraum vorbereitet. Aufgrund der Erfahrungen aus 2002 und
2006 wurden vorsorglich hochgeländefähige Fahrzeuge (Unimog, MAN) aus den bayrischen Ortsverbänden Selb, Forchheim, Kronach, Bayreuth
und Forchheim nach Pirna verlegt. Die Fahrzeuge trafen im Laufe der Nacht ein.
Der THW-Fachberater unterstützte seit den Morgenstunden des 8. August die Einsatzleitung im Landratsamt. Am Nachmittag wurde die 1.
Bergungsgruppe zur Sicherung einer Brücke über den Krippenbach im Bad Schandauer Ortsteil Krippen eingesetzt. Gemeinsam mit der Feuerwehr
Dobra wurde eine teilweise eingestürzte Flußquerung gesichert und anschließend kontrolliert abgebaut. Da eine Stromleitung an der Brücke
befestigt war, konnten die Arbeiten erst nach der Freigabe durch den Versorger erfolgen.
Jetzt zeigte sich das „THW-Baukasten-Prinzip“. Ein Pirnaer Kranführer nutzte den Ladekran des LKW vom Ortsverband Forchheim um die
Brückendielen zu stabilisieren und so eine Plattform für den Kettensägenführer der Feuerwehr zu schaffen. Nach seiner Vorarbeit wurden
mit viel Fingerspitzengefühl des Kranfahrers durch die Palettengabel die Bohlen ausgehoben und am Ufer abgelegt. Später wurden die
Brückenträger geborgen und der Krippenbach konnte an dieser Stelle wieder ungehindert fließen. Wie wichtig dies war, zeigte sich auch
den zahlreichen Schaulustigen als sich ein großes Stück der Fahrbahndecke aufgrund der anhaltenden Unterspülung löste und in den Bach
stürzte. Die nachalarmierte Fachgruppe Brückenbau des OV Dresden plante bereits den Bau einer Behelfsbrücke als die Arbeiten an dieser
Einsatzstelle abgebrochen werden.
Text: André Jakob, BÖH OV Pirna
Fotos zum Bericht:

Sicherung der Brücke

Blick auf die Einsatzstelle

Teamwork der Einsatzkräfte

Der Kran hebt die Dielen aus

Anschlagen von zwei Trägern

Ausheben eines Brückenträgers

Einmessen für eine Ersatzbrücke

Sperre im Bachlauf

Schäden durch den Krippenbach
Fotos: André Jakob / Für Großansicht bitte anklicken
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