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Einsatzbericht vom 08.08.2010
Erster THW-Einsatz in Tschechien

Am Samstag, gegen 13:00 hat die Tschechische Republik eine offizielle Unterstützungsanfrage an das Bundesinnenministerium gestellt und Einheiten des Technischen Hilfswerks angefordert. Infolge starker Regenfälle war es im tschechisch-deutschen Grenzgebiet bei Liberec zu starken Überflutungen gekommen.

18 Helfer aus den sächsischen Ortsverbänden Pirna, Radebeul, Riesa und Dippoldiswalde starteten gemeinsam gegen 22:30 von Radebeul über Polen ins Einsatzgebiet. Ausgestattet mit zwei MAN mit Ladekran, zwei Gerätekraftwagen, einem Kipper und 5 Booten sollten diese THW-Helfer die tschechischen Kräfte unterstützen. Dies ist der erste Einsatz im Rahmen des Anrainerstaatenkonzeptes zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland.

Nach drei Stunden Schlaf im zugewiesenen Quartier trafen sich die Kameraden mit der tschechischen Feuerwehr HZS um 5:00 Uhr, um eine Lageerkundung durchzuführen. Das Hochwasser sei größtenteils zurückgegangen und das Wasser stehe circa 1,5 Meter in den Häusern, berichtete Fabian Scholz (Ortsverband Radebeul) aus Hejnice nahe Frýdlant. Derzeit übernimmt das THW in Zusammenarbeit mit den Kräften vor Ort vorwiegend Transportaufgaben. Es wird Trinkwasser palettenweise verteilt, aber auch Häuser werden mit ausgeräumt. Weitere Einsatzoptionen werden geprüft und anhand der aktuellen Lageentwicklung den THW-Einsatzkräften zugewiesen.

Was ist das THW-Anrainerstaatenkonzept?

Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) leistet technische Hilfe im Ausland im Auftrag der Bundesregierung. Daher bedürfen THW-Auslandseinsätze grundsätzlich einer in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt erteilten Genehmigung durch den Bundesinnenminister.

Zur Optimierung der Zusammenarbeit zwischen der Bundesanstalt THW und seinen Nachbarstaaten wurde ein vereinfachter Anforderungsweg entwickelt: das THW-Anrainerstaatenkonzept.

Im grenzüberschreitenden Einsatz hat dies ganz besondere Vorteile. Wenn sich der Einsatzort innerhalb eines unmittelbar an der deutschen Staatsgrenze gelegenen Landkreises bzw. Bezirkes befindet, kann das Technische Hilfswerk von der Katastrophenschutzbehörde des Nachbarlandes direkt für eine Hilfeleistung angefordert werden. Diese Regelung gilt für Einsätze und Übungen.

Der THW-Landesverband Sachsen, Thüringen arbeitet im grenzüberschreitenden Katastrophenschutz mit dem Feuerwehr-Rettungskorps (HZS) zusammen. Grundlage hierfür sind der Vertrag der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik (Januar 2003) und die Vereinbarung über gegenseitige Hilfe zwischen dem THW-Landesverband Sachsen, Thüringen und den HZS-Bezirksdirektionen Usti nad Labem, Karlsbad und Pilsen (Mai 2005).

Ziele der Zusammenarbeit:
  • Schnelle Bereitstellung von Kräften im Einsatzfall
  • Regelmäßige einsatzvorbereitende Ausbildung und Übungen
  • Regelmäßiger Jugendaustausch
  • Kooperation bei EU-Förderprogrammen
Das Feuerwehr-Rettungskorps (HZS):

Das Feuerwehr-Rettungskorps (Hasicský záchranný sbor, HZS) der tschechischen Republik besteht aus dem Generaldirektorat für Feuerwehr und Rettungsdienst in Prag, das zum Innenministerium gehört, und 14 regionalen Feuerwehr- und Rettungsdienstabteilungen Bezirksdirektionen). HZS ist die zentrale Behörde für Feuerschutz, Krisenmanagement, Planung von zivilen Notfällen, Bevölkerungsschutz und das integrierte Rettungssystem. Für die Durchführung dieser Aufgaben stehen etwa 10.000 Einsatzkräfte bereit.

Seit nunmehr rund zehn Jahren arbeiten THW und HZS eng zusammen:
  • Besuch der Jugendfeuerwehr aus Horni Slavko im Ortsverband Aue-Schwarzenberg und Gründung einer Partnerschaft (2004)
  • Teilnahme an Übungen in Tschechien, z.B. AIR ACCIDENT (2005), Davora (2007) und Sokolov (2008)
  • Teilnahme einer tschechischen Jugendfeuerwehr am Länderjugendlager 2009 in Gera
  • Tschechisch-Sprachkurse für THW-Jugendgruppen
  • Höhepunkt der Zusammenarbeit war die ALBIS 2008, eine von der Europäischen Union kofinanzierten Übung. Dabei trainierten die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) und das tschechische Feuerwehr-Rettungskorps (HZS) erstmals im großen Rahmen die Zusammenarbeit beider Länder am Szenario eines grenzüberschreitenden Hochwassereinsatzes.
  • Forest Fire (2009): Bekämpfung eines Waldgroßbrandes. Aufgabe des THW war es u.a., die Löschwassermengen mit Spezialpumpen über drei Kilometer (inkl. Anstieg) zu fördern.
  • Gemeinsame Vorführung auf der INTERSCHUTZ 2010
Die Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Tschechien, zwischen THW und HZS ist eine lebendige und stetig wachsende Partnerschaft. Jede gemeinsame Aktion hilft, für den Katastrophenfall im Grenzgebiet künftig noch besser gerüstet zu sein.


Fotos zum Bericht:

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